Schau dir deine Heimat an, die Berge, die Wälder. die Felder. Stell dich in den tiefen Wald, rieche das Moos, höre die Tiere, fühle die Natur. Alte Bäume was mögen sie schon gesehen haben, was würden sie erzählen? Vom einsamen Wanderer der im Schatten ruhte? Vom liebenden Paar das sich sanft liebkost und sich die ewige Treue schwört?
Gehe in dich werde eins mit Natur und Geist. Spüre den Wind der dir leise Geschichten flüstert, schaue ins Tal, siehst du das Haus, so klein wie ein Spielzeug steht es mitten in dem kleinem Dorf. Wer mag darin wohnen? Sind die Menschen glücklich? Wie wäre es plötzlich mitten auf einem Feld zuliegen, den Himmel sehen, die Wolken, sich frei fühlen.
Frei von Ängsten und Sorgen. Kein Leid der Welt kann dich noch berühren, kein Gefühl kommt an dich ran, nur pure Freiheit. Dunkle Wolken ziehen auf, nur ein Stück blau siehst du noch und die Strahlen der Sonne durchscheinen das Dunkel, als würde jemand sagen "Komme ins Licht" es es gibt nur diesen Weg, alles andere ist dem Untergang geweiht. Aber ist es wirklich so? Ist der Weg ins Licht der einzige wahre Weg? Dunkle Wolken hängen über der Heimat, die Natur bäumt sich auf, es scheint als lässt sie alles Elend, alles was der Mensch ihr einst antat nun entlich herraus. Wie ein gepeinigter Körper der sich im Kampf mit dem Tode qualvoll aufbäumt.
Wie ein Herz welches jahrelang Leid und Schmerz nicht mehr erträgt und einfach aufhört zu schlagen. Wie ein Wal der aufhört zu Atmen, weil er in Gefangenschaft nicht mehr leben will.
Unten im Tal mäht ein Bauer sein Feld. Was er wohl denkt? Ob er sich Gedanken macht um seine Familie? Welche Sorgen mögen ihn quälen?
7 Tage bin ich nun schon hier, habe Menschen kennengelernt die die gleichen Fragen an die Zukunft stellen, die sehen, wie es um Deutschland steht und nur darauf warten das sich das deutsche Volk ebenso aufbäumt wie die Natur es tut. Das warten darauf, das jemand den Anfang macht, jemand sie aus ihren Nöten herrausholt.
"Deutschland braucht einen neuen Führer" sagt ein etwa 50jähriger Mann, dem die Resignation im Gesicht eingebrannt ist. Traurige Augen, tiefe Falten, gezeichnet von den Erfahrungen des Lebens, ein Lächeln um den Mund nur wenn er die 3 alten Männer am Nebentisch singen und spielen hört..
"Wie einst Lilli Marlen" hallt es durch die alte Gaststube die seit 1918 über dem kleinen thüringer Städtchen Thront, gesungen von fast 200 Jahren Geschichte, Erfahrungen, Lebensweisheiten
und Erinnerungen an alte Zeiten.
Ich als "junge Maid mit dem Herz am rechtem Fleck" spüre wie sich die Nackenhaare aufstellen, mein Herz pocht voller Stolz und wie nie zuvor püre ich den Stolz dieser Männer auf Ihr Deutschland, es ist als würde es sich übertragen. Man sieht die Natur, hört diese Lieder von Zeitzeugen. Für sie scheint die Zeit in diesen Augenblicken stehen geblieben zu sein.
"Am Adol-Hitler-Platz steht eine junge Eiche"
Ich selber fühle mich wie auf einer Reise durch die Zeit und bin stolz diese Männer hören zu dürfen und mit ihnen in eine andere Welt, wenigstens Gedanklich, reisen zu dürfen.
Mir allein scheint dies nicht nur so zu gehen, die Gaststube ist voll von alten und jungen Männern und Frauen aus der Kleinstadt, die sich mitten in der Woche nachmittags die Zeit nehmen um zusammen zu sitzen und zu singen. Ich wünschte ich würde dies in 30 Jahren noch sehen dürfen, aber was ist in 30 Jahren? Die alten Männer werden nicht mehr unter uns Weilen, sie werden genauso wie meine Urgroßmama auf dem kleinen Friedhof begraben sein und nur manchmal wird man sich daran erinnern, wie sie mit kontrabass und Gitarre in der kleinen Gaststube sassen
und Lieder sangen. Die Erinnerung ist ein starkes Schwert, welches so viele Dinge hervorrufen kann. Schmerz, Leid, schöne Dinge, Geschichten und Begebenheiten.
Selbst ein Geruch kann eine starke Erinnerung hervorrufen.
Das alte Haus in dem meine Urgroßmama lebte steht immer noch. 17 Jahre nach ihrem Tod sehe ich mich immernoch als kleines Kind auf dem Vordach rumklettern und habe immernoch ihre aufgeregte, dünne Stimme im Ohr. Heute..ja heute besuche ich sie immernoch, nur nicht im Haus mit den vielen gehäkelten Deckchen und dem Drehsessel auf dem sie gern saß. Heute besuche
ich sie mit meinen Kindern, ihren Ururenkeln auf dem kleinen Friedhof auf dem ich schon mit ihr als Kind meinen Urgroßvater besucht habe. Alles ist wie damals, die kleine Bank an der Grabstelle
auf der wir so oft saßen, die Tannen die das Grab umschließen sind nun so groß wie ich, damals kamen sie mir unheimlich größer vor.
Wie sehr wünschte ich mir, ich hätte ihr als Kind einmal richtig zugehört. Wie sehr wünsche ich mir sie noch einmal in ihren Drehstuhl zu sehen und "guten Abend-Gute Nacht" singen.
Noch einmal die gruseligen Märchen von den 7 Raben hören. Aber dies ist Vergangenheit, Geschichte, wie so vieles im Leben und ich frage mich, wie es weitergeht.
Hier wo die Ruhe wohnt bemerkt man nichts von der Hektik einer Stadt, von gestreßten Menschen, keine Bürokratenärsche, niemand der einem antreibt. Kämpfen, Demos, Kundgebungen, alles ist weit weg und es ist ok so. Man lebt, man denkt wieder klar, fühlt wieder tief. Man wird sich wieder sicherer und besinnt sich auf die wichtigen Dinge im Leben und hofft darauf das die Ruhe und Gelassenheit für immer bleibt..



